Chinesische Kohlenachfrage könnte Shells ehrgeizige LNG-Prognose dämpfen
Shell hat eine kühne Prognose abgegeben, wonach die globale Nachfrage nach Flüssigerdgas bis 2040 um 50 Prozent steigen wird, vor allem aufgrund des von China angeführten Wachstums in Asien. Doch diese Prognose klingt optimistisch, da Flüssigerdgas nach wie vor teurer ist als Kohle, von der China und Indien reichlich haben.
Der Ölkonzern veröffentlichte am Mittwoch seinen Ausblick für den LNG-Markt. Darin schätzt er, dass der LNG-Bedarf im Jahr 2040 625 bis 685 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen wird.
Shell stützt seine Argumente weitgehend auf das robuste Nachfragewachstum in Asien, insbesondere in China, das im Jahr 2023 den Titel des weltgrößten LNG-Käufers von Japan zurückerobern wird.
Diese Zahl erscheint zwar beeindruckend, verblasst jedoch im Vergleich zu den 139,8 GW an Kohlekraftwerkskapazität, die China derzeit aufbaut.
Dem GEM (Global Energy Monitor) zufolge verfügt China über kohlegefeuerte Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1.136,7 GW, jedoch nur über 121,1 GW an gas- und ölgefeuerten Kraftwerken.
Die GEM-Zahlen zeigen, dass Chinas Bedarf an Erdgas in den kommenden Jahren wahrscheinlich steigen wird, die Abhängigkeit des Landes von Kohle als Hauptstütze seiner Stromerzeugung auf Jahrzehnte hinaus gesichert ist.
Dafür gibt es einen Grund: Einfach ausgedrückt liegt es daran, dass China über enorme Kohlevorkommen verfügt und den zusätzlich benötigten Brennstoff problemlos importieren kann.
Aber das Wichtigste ist, dass Kohle billig ist und in den kommenden Jahren wahrscheinlich deutlich billiger bleiben wird als LNG, es sei denn, Shell prognostiziert ebenfalls einen starken Rückgang der LNG-Preise, was jedoch unwahrscheinlich erscheint, da das Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten mit einem engen Markt für LNG rechnet.